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Rechts- und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät

VWL VI: Lehrstuhl für Empirische Wirtschaftsforschung – Prof. Dr. Mario Larch

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Forschung

Der Schwerpunkt der Forschung des Lehrstuhls VWL VI: Empirische Wirtschaftsforschung liegt in der Anwendung mikroökonometrischer Methoden auf zahlreiche Forschungsfragen. Insbesondere werden Methoden der räumlichen und Paneldatenökonometrie, strukturelle Schätzungen, numerische allgemeine Gleichgewichtsmodelle, Zähldatenmodelle und Programmevaluationsverfahren verwendet, um Fragen des internationalen Handels, der internationalen Migration, der multinationalen Unternehmenstätigkeit sowie der Umwelt- und Ressourcenökonomik empirisch zu analysieren.

​ Eine Liste der aktuellen Publikationen finden Sie auf den individuellen Seiten der MitarbeiterInnen:


Über Projekte, unter anderem für die United States International Trade Commission, die Welthandelsorganisation (WTO), die Vereinten Nationen, die Europäische Kommission und verschiedene Ministerien, trägt der Lehrstuhl auch zur wirtschaftspolitischen Debatte bei.

Die aktuellen wissenschaftlichen Arbeitsgebiete des Lehrstuhls VWL VI: Empirische Wirtschaftsforschung können grob in zwei thematische Schwerpunkte gegliedert werden:

1. Handel und Institutionen

Wie beeinflussen politische Maßnahmen, wie z.B. der Abschluss von regionalen Handelsabkommen, die Änderung rechtlicher Institutionen, oder bilaterale Investitionsschutzabkommen die Handelsströme, das Einkommen und die Wohlfahrt? Viele dieser Politikmaßnahmen finden auf Länderebene statt, haben aufgrund der internationalen Verflechtungen aber auch Auswirkungen auf andere Länder bzw. die Entwicklung der Weltwirtschaft. Das heißt, dass die Änderungen sowohl im Inland als auch für alle Handelspartner gleichzeitig wirksam werden.

In den vergangenen Jahren sind strukturelle Verfahren entwickelt worden, die eine empirische Analyse dieser Fragen ermöglichen. Diese neueren Ansätze beruhen auf der „Gravitationsgleichung“, die den Außenhandel zwischen zwei Ländern durch Marktgrößen und Handelshemmnisse erklärt. Allerdings beruht das in der Literatur vorgeschlagene Modell auf einigen restriktiven Annahmen. Ziel unserer Forschung war und ist es, einige dieser Annahmen zu modifizieren. Zum einen haben wir die Annahme bilateraler Handelsbilanzgleichgewichte durch die empirisch plausible Annahme eines multilateralen Handelsbilanzausgleichs ersetzt. Zum anderen haben wir versucht, die Endogenität von handelspolitischen Maßnahmen, wie z.B. dem Abschluss von Freihandelsabkommen, empirisch adäquat zu berücksichtigen. Des Weiteren haben wir die Vollbeschäftigungsannahme aufgeweicht, um Wirkungen von Handel und Politikmaßnahmen auf die Arbeitslosigkeit zu untersuchen. Diese Erweiterung ist wichtig, um der Sorge vieler Arbeitnehmer Rechnung zu tragen, dass Globalisierung zu einem Verlust ihres Arbeitsplatzes führen kann.  Außerdem haben wir den Ansatz um eine dynamische Komponente erweitert, um zusätzliche Wachstumseffekte von Handelsmaßnahmen quantifizieren zu können. Die von uns mitentwickelten strukturellen Schätzansätze wurden dann auf unterschiedliche Fragestellungen – wie einer Evaluierung der Europaabkommen, der Evaluierung von TTIP, der Evaluierung von CETA und der Evaluierung der Pacific Alliance – angewandt.

In diesem Forschungsgebiet entwickelten wir auch eine Methode, um die Effekte von länderspezifischen Maßnahmen auf den internationalen Handel zu quantifizieren. Grundidee ist dabei, einen Datensatz zu verwenden, der nicht nur die internationalen Handelsströme enthält, sondern auch die inländischen Verkäufe. Dadurch ist es möglich, den Effekt dieser länderspezifischen Maßnahmen auf den internationalen Handel relativ zu den inländischen Verkäufen zu quantifizieren. Diesen Ansatz verwenden wir, um Währungsänderung und Änderung von MFN-Zöllen und institutionellen Rahmenbedingungen zu quantifizieren.

Unterschiede in rechtlichen Institutionen spielen insbesondere für grenzüberschreitende ökonomische Aktivitäten eine Rolle. Obwohl es in einigen Bereichen (wie zum Beispiel der Handelsschiedsgerichtsbarkeit) bereits multilaterale Abkommen (wie das New Yorker Übereinkommen über die Anerkennung und Vollstreckung ausländischer Schiedssprüche) gibt, bestehen immer noch Unterschiede beispielsweise in der Durchsetzung von Verträgen über Länder hinweg.  Die Ursachen und Auswirkungen dieser Unterschiede zu untersuchen ist das Ziel mehrerer Forschungsarbeiten am Lehrstuhl.

Im Rahmen der Forschungsaktivitäten in diesem Bereich entstand kürzlich auch ein Buch in Zusammenarbeit mit der UN und der WTO, das die aktuellen Entwicklungen in diesem Feld beschreibt (An Advanced Guide to Trade Policy Analysis: The Structural Gravity Model, zum Download verfügbar unter http://vi.unctad.org/tpa/index.html).

2. Umweltpolitik im internationalen Kontext

Viele Umweltprobleme sind von ihrer Natur her grenzüberschreitend. Der globale (oder regionale) öffentliche Gut Charakter von z.B. sauberer Luft oder großer Biodiversität kann die Effektivität von unilaterale, nationalen Maßnahmen schwächen. Um dies adäquat analysieren zu können arbeiten wir mit Mehrländermodellen.

Zum einen haben wir eine Erweiterung eines quantitativen Außenhandelsmodells auf ein Mehr-Sektorenmodell mit CO2-Emission durchgeführt, um Umwelteffekte zu analysieren. Insbesondere haben wir dabei eine Quantifizierung des Effekts von CO2-Zöllen und deren Zerlegung in Technik-, Skalen- und Kompositionseffekt vorgenommen. Im Zentrum steht dabei auch die Berücksichtigung der Verlagerung von Emissionen, also der Erhöhung von Emissionen in Ländern, die nicht bzw. von geringeren C02-Steuern betroffen sind. Solche Verlagerungseffekte (leakage effect) schmälern die ursprünglich Effekte auf die Emissionsreduktion.

Ein prominentes Beispiel einer internationalen Kooperation zur Reduktion von CO2-Emissionen ist der EU-Emissionshandel (European Union Emissions Trading System, EU ETS). Um die Effekte angemessen quantifizieren zu können, verwenden wir ein multisektorales, heterogenes Mehrländer-Firmenmodel mit endogener Technologiewahl für die Emissionsvermeidung, Zwischenprodukten und Emissionshandel. Um die Auswirkungen des EU ETS auf die Verteilung der Emissionen über Länder und Industrien hinweg besser zu verstehen, nehmen wir eine Zerlegung der Effekte vor.

Da unilaterale Politikmaßnahmen aufgrund von Verlagerungen und dem globalen Charakter vieler Emission häufig wenig wirksam sind, werden schon seit dem 19. Jahrhundert multi- und bilaterale Umweltabkommen abgeschlossen, und deren Häufigkeit hat in den letzten 50 Jahren stark zugenommen. Dies ist verwunderlich, da diese Abkommen freiwillig sind und es keine supranationale Organisation gibt, die deren Einhaltung sicherstellt. Auch die theoretische Literatur kommt hier zu dem Schluss, dass ein gemeinsames Umweltanliegen von Ländern nicht ausreicht, um den Abschluss eines Abkommen zu erklären. Es stellt sich also die Frage, wieso wir trotzdem so viele Umweltabkommen beobachten. Um diese zu beantworten untersuchen wir, welche empirischen Einflussfaktoren den Abschluss von multi- und bilateralen Umweltabkommen bestimmen und welche Länderpaare am ehesten ein solches Abkommen abschließen. Außerdem möchten wir untersuchen, wie häufig der Abschluss von Freihandelsabkommen und Umweltabkommen zusammenfällt. Die Verbindung unterschiedlicher Agenden (issue linkage), wie dem internationalen Handel und Umweltpolitik, könnte nämlich eine Möglichkeit sein zu erklären, wieso wir empirisch so viele Umweltabkommen beobachten.


Verantwortlich für die Redaktion: Sandra Hörath

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