Forschung

Der Schwerpunkt der Forschung des Lehrstuhls für Empirische Wirtschaftsforschung liegt in der Anwendung mikroökonometrischer Methoden auf zahlreiche Forschungsfelder. Insbesondere werden Methoden der räumlichen und Paneldatenökonometrie, Zähldatenmodelle und Programmevaluationsverfahren verwendet, um Fragen des Außenhandels, der internationalen Migration und Besteuerung, der öffentlichen Finanzen, der multinationalen Unternehmenstätigkeit sowie der Arbeitsmarkteffekte des Außenhandels empirisch zu analysieren.

Zurzeit forschen wir in den beiden folgenden Drittmittelprojekten:

Gravitation mit Arbeitslosigkeit: Empirische Analyse der Wirkungen von Außenhandel bei imperfekten Arbeitsmärkten (finanziert durch die Deutsche Forschungsgesellschaft (DFG) unter dem Abrechnungsobjekt Nr. 592405)

Ziel dieses Projekts ist die Quantifizierung von Handelsliberalisierung bei imperfekten Arbeitsmärkten in einem strukturellen Gravitationsgleichungsmodell. Theoretische Arbeiten zeigen die Wechselwirkung zwischen Handel und imperfekten Arbeitsmärkten, besonders deren Wirkung auf die Handelsströme, das Bruttoinlandsprodukt (BIP), und die Wohlfahrt. Ob Handelsliberalisierung tatsächlich wünschenswert ist muss unter Berücksichtigung von Arbeitsmarktimperfektionen empirisch evaluiert werden. Ein struktureller Ansatz erlaubt dabei vertiefte Einsichten in die Kanäle der Handelsliberalisierung als auch Szenarienanalysen für Politikmaßnahmen. Bis jetzt wurde bei den empirischen Untersuchungen immer von perfekten Arbeitsmärkten ausgegangen oder reduzierte Gleichungen geschätzt. Die strukturelle Schätzung der Interaktionen von Handel und Arbeitsmärkten hingegen wurde vernachlässigt. Der erste Schritt im Projekt ist daher die Entwicklung eines empirischen Modells, das die Analyse von Handelsliberalisierung bei imperfekten Arbeitsmärkten ermöglicht. Nachfolgende Teilprojekte verwenden und erweitern dieses Modell, um die Effekte der Handelsintegration zu quantifizieren. Wir planen Handelsströme, BIP und die Wohlfahrt für einen Querschnitt von OECD-Ländern zu berechnen. Erweiterungen erlauben für internationale Migration und zerlegen die Effekte auf Industrieebene, um Einblick in die mikrostrukturellen Effekte von Handelsliberalisierung zu gewinnen.

Firmenneugründungen und -auflösungen: Eine Analyse der Rolle von Steuern (finanziert durch den Economic and Social Research Council (ESRC) unter dem Abrechungsobjekt Nr. RES-194-23-0012)

Ziel des Forschungsprojekts ist es, die jüngste Körperschaftssteuerreform in Großbritannien zu evaluieren. Im Besonderen untersucht das Projekt den Einfluss der Änderungen im Eingangssteuersatz, welcher 1999 10% betrug, 2002 auf 0% gesenkt und 2006 abgeschafft wurde. Ziel des Eingangssteuersatzes war es, die Gründung neuer Unternehmen zu fördern, deren Innovationsgeist dabei helfen sollte, das Wirtschaftswachstum in Großbritannien zu stimulieren. Schließlich wurde diese Steuerpolitik eingestellt, da sie womöglich mehr dazu beitrug, Einkommen zwischen Aktien- und Personengesellschaften zu verschieben als realökonomische Aktivität zu fördern.

Bisher existierten keine systematischen Versuche, die Auswirkungen des niedrigen Eingangssteuersatzes zu untersuchen. Mit dem Forschungsprojekt beabsichtigen wir, die folgenden drei Fragen zu beantworten.

1. Führte die Einführung, Senkung und Abschaffung des Eingangssteuersatzes zu Veränderungen der Zahl von Firmenneugründungen und -auflösungen?

2. In welchem Ausmaß beobachten wir, dass neu gegründete Firmen Gewinne von genau den  Schwellenwerten (z.B. £10,000) ausweisen? Folgten bereits etablierte Firmen derselben Strategie?

3. Gibt es Hinweise darauf, dass in Reaktion auf die Einführung und folgende Reduktion des Eingangssteuersatzes neu gegründete Firmen mehr oder weniger investierten als etablierte Firmen?

Darüber hinaus versuchen wir zu analysieren, ob die höhere Anzahl an Firmen signifikante Auswirkungen auf die Körperschaftssteuereinnahmen hatte. Es ist bekannt, dass trotz der Verringerung des Steuersatzes die Steuereinnahmen im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt nicht gefallen sind. In welchem Maße ist diese Tatsache der höheren Anzahl von Firmen aufgrund der Änderungen des Eingangssteuersatzes geschuldet?

Um diese Fragen zu beantworten, nutzen wir einen neuen Datensatz von Körperschaftssteuererklärungen des HMRC Datalab. Dieser Datensatz erlaubt uns, Veränderungen in der Zahl von Firmenneugründungen und -auflösungen zu analysieren. Außerdem können wir das Verhalten neuer Firmen untersuchen und es mit dem etablierter Firmen vergleichen. Wir besitzen detaillierte und präzise Informationen über Höhe und Herkunft der zu versteuernden Gewinne, einschließlich Daten zu den steuerlichen Abschreibungen von Investitionen. Dadurch ist dieser Datensatz ist für unsere Analyse hervorragend geeignet.

 

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